Ideale Schwertlänge |
| 30.07.2010 |
Mein erstes Iaito
Alle Iaidokas erinnern sich an den Kauf ihres ersten Iaitos. Damit tritt man wirklich in die Riege der Schwertkämpfer ein. Das Training wird ernst(hafter). Sicher, auch ein Bokken (Holzschwert) ist eine respektable Waffe, die selbst ein Schwertgott wie Musashi benutzt hat. »Richtiges« Iaidoüben geht aber nicht ohne Schwert. Die Auswahl geeigneter Bewaffnung findet meistens nach folgenden Kriterien statt:
- Preis
- Aussehen
- Länge
Und gerne in der oben angeführten Reihenfolge. Das ist zunächst einmal sinnvoll. Iaitos sind durch die Importmodalitäten recht teuer geworden, sprengen aber auch nicht unbedingt den Preisrahmen. Jede Sportart hat zur Ausübung einen finanziellen Aufwand. Manche weniger (z.B. Joggen), manche mehr (z.B. Surfen). Dennoch wird auch zu billigen Angeboten gegriffen, vor denen in bestimmten Fällen dringend gewarnt werden muss! Klingt langweilig, ist aber besser: das Aussehen gehört an die letzte Stelle aller Auswahlkriterien.
Mal eben die Länge
Die Auswahl der Länge eines Iaitos geschieht nach Erfahrungssätzen oder nach Tabellen. Bekannt ist die Regel, das Schwert am Griff seitwärts zu halten. Die Spitze darf nicht den Boden berühren, dann ist die Klingenlänge korrekt. Diese Faustregel ist unzuverlässig! Am besten ist ein Ausprobieren mit verschiedenen »Lifeiaitos«, die man sich von netten Vereinsmitgliedern leiht. Wenn man damit schwingt, dann wird auch einem Anfänger deutlich, welche enormen Auswirkungen die Schwertlänge hat. Zunächst sollte die Länge nicht übermäßig kurz und nicht zu lang sein. Zu kurze Iaitos werden vom Übenden »geschlagen« und nicht geführt. Zu lange Iaitos reissen den Oberkörper eines Übenden mit. Seitlich sieht man es gut, ob der Oberkörper ins Schwingen gerät. Deshalb sollte für eine »Anprobe« jemand zusehen, am besten der eigene Sensei.
Iaitolänge und Üben
Die richtige Schwertlänge bestimmt enorm die »Qualität« des Iaidoübens. Wie kommen Schwertlänge und Kataausführung zusammen? Zunächst einmal wenig. Das Schwert wirkt mit seinem Gewicht von cirka 1kg gegen das Körpergewicht von angenommen 70kg. Man kann daher sein Schwert unabhängig von voller körperlicher Beteiligung schwingen. Sicher wird KiKenTaiIchi angestrebt. Allerdings verrät selbst zeitgleiches Bewegen von Schwert und Körper wenig über die rechte innere Qualität einer Schwertbewegung. Schwertbewegung, Körpereinsatz und Wille sollen zu einem Ganzem verschmelzen. Ist ein Schwert zu kurz und zu leicht, kann ein Übender nicht diese Forderung erfüllen. Er fühlt nicht die Seele des Schwerts. Hier ein Vergleich aus dem Alltag: wie bewegen Sie einen Besen mit langem Stiel und wie einen Handfeger?
Ist ein Schwert zu schwer und zu lang, dann ist es aufgrund der Beschleunigungskräfte und der daraus resultiernden Gewichtigkeit nicht möglich, mit dem Schwert »zusammen zu bleiben«. Man verliert seine Mitte. Alltagsbeispiel: vergleichen Sie, wie unterschiedlich Sie mit einem Hammer- und wie Sie mit einer Axt hantieren würden.
Fazit
Ich habe eine eigene Faustregel zur Ermittlung der passenden Schwertlänge: sie sollte einer Schrittbreite entsprechen. Da diese Regel allerdings sehr ungenau ist, empfehle ich sorgfältiges (mehrfaches) Ausprobieren diverser Schwertlängen, um gefühlte Stimmigkeit mit den eigenen Voraussetzungen zu finden. Seien Sie pingelig: die Unterschiede sind klein, haben aber große Folgen.
Zuletzt geändert am: 01.08.2010 um 11:12
ZurückKommentare
| Fehler? | von Gast am 27.12.2011 um 09:42 |
| Im Fazit, müsste es wohl "Schrittlänge" heissen bei der ersten Erwähnung und nicht "Schrittbreite"? |
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