Come in and fight out!
Lernen durch Bewegung
Ein einfaches Holzschwert, eine Bewegungsidee, ein Ablauf, eine Kata. Wenige Dinge, die genügen, um einen interessierten Sportler in Schwierigkeiten zu bringen. Wie kommt es, dass die Beine anders stehen als diese es sollten? Oder: linksherum mit Holzschwert umdrehen und das bei gleichzeitiger Aushol- und unmittelbar folgender Schnittbewegung. Was sich einfach anhört, kann schon in den ersten Stunden Iaido recht anspruchsvoll werden. Aber: »Anfängergeist ist Zengeist!«. Die perfekte Technik wird nicht angestrebt. Besser ist das richtige Lernen, um sich individuell auf Grundlage seiner Fähigkeiten zu verbessern.
… für alle
Gelernt werden zunächst — das ist wie immer der Beginn des Iaiübens — ganz einfache Bewegungen und Regeln. Wie halte ich das Schwert am besten? Was macht einen kontrollierten Schnitt aus? Darf ich mich in Pausen auf dem Schwert abstützen (Antwort: besser nicht)? Wieviel Bauchmuskeln kann ich allein durch das Aufwärmtraining ansprechen?
Alles ist ein bisschen anders, als erwartet: die richtige Schnittbewegung sollte einen nicht aus dem Gleichgewicht reißen oder eine Furche im Hallenboden hinterlassen. Weitere Anforderungen stellen flüssige Bewegungen bei gleichzeitiger Aktion, Drehen und Ziehen des Schwerts aus dem Sitzen. Thats it! Diese kleinen Übungsbereiche (»Suburi«) und grundlegenden Kata (»Kihon«) geben den Übenden einen Einblick in das weite Feld der Ausbildung durch Iaido.
Übungszeit
Iaido-Aktionen
Iaido übt gleichzeitiges Ziehen und Treffen mit dem Schwert in einer Aktion. Typisch ist eine Bewegungsfolge besonderer Schnitte, eines Stoßes oder Abwehr aus stehender wie sitzender Position. Dann folgt ein abschließender Schnitt oder Stich. Der Kampfbereich wird gesichert. Das Schwert wird gesäubert und in die Schwertscheide zurückgeführt. Alles geschieht mit Übersicht und in innerer Ruhe.
Dieser Ablauf nennt sich »Kata«. Die zu erlernenden Kata sind sehr vielfältig und zahlreich. Wir üben hauptsächlich Muso Shinden Ryu Iai. Es stehen hier dutzende verschiedene Einzelkata zur Verfügung. Sie enthalten, teilweise verdeckt, viele Schwerttechniken, Ideen und Abläufe eines Schwertkampfes. Allerdings sollte man nicht dem Kult der schönen Form verfallen, das führt zum Irrweg. Die Kata ist endlich das Ergebnis des individuellen Übens, nicht vorgeschriebener Form. Katas können eher als Ideen, Methoden, Übungszonen, Prüfsteine beschrieben werden. Die Kata führt zu reflektiven Lernen.
Training und Ertrag
Ein Großteil des Iaido-Trainings findet in Eigenübung statt, also ohne Partner. Deswegen trägt man auch keine Rüstung wie beim Kendo-Wettkampf. Es wird nur passende Kleidung und ein Schwert benötigt. Ein Iaidoka erlernt Balance, Kraft, Genauigkeit. Die Perfektion der Form entwickelt er selbstständig und damit eigenverantwortlich. Hilfe und Ansporn kommt durch die Korrektur eines erfahrenen Lehrers.
Tieferes Verstehen einer Kata und Empfinden für richtige Bewegung mit dem Schwert stellt sich mit Erfahrung ein. Erfahrung ist Lernen und Wissen durch eigenes Tun. Mit fortschreitender Übungslänge (und Intensität) wird man immer besser. Das steht im krassem Gegensatz zu einfach kraftorientierten Sportarten. Kraft baut im Alter ab. Iai (-Fertigkeit) nimmt immer mehr zu.
Inneres Iai
Iaido kann nicht als Sport bezeichnet werden, auch wenn man ins Schwitzen kommt. Iaido schult zugleich Körper, Geist und Einstellung eines (langjährig) Übenden. Die körperliche Entwicklung ist die Grundlage-, die geistige die Notwendigkeit unseres Übens. Gute Kampfkunst ist ganzheitlich und bleibt nicht auf der Oberfläche.
Wir üben somit inneres Iai. Uns interessiert nicht der bestimmte Schwertwinkel beim Schnitt, sondern die effiziente Schwertführung. »Blitzschnelles Ziehen« ist nicht genug, sondern »rechtzeitiges Ziehen und Schneiden«. Die stetige Ausbildung, die Entwicklung der eigenen Person ist Maßstab des Erfolgs. Graduierungen und Urkunden als schmückende Zeichen einer Anerkennung sind in diesem Zusammenhang wertlos.
Tradition
Iaido ist eine traditionell ausgerichtete Kampfkunst. Sie wird seit Jahrhunderten im Sinne von Shuhari von Lehrer zu Schüler mündlich weitergegeben. Es liegt in der Verantwortung eines Iaidokas, alle Techniken genau zu lernen und gewissenhaft auszuführen. Simple Wiederholung aus Tradition heraus führt zur Folklore. Aufgeblähter Mythos, Kitsch, Personenkult, populär: Gruppendynamik oder Teamgeist begleiten diese Erscheinungsformen, bringen aber beim Üben wenig nachhaltige Authentizität. Es entsteht dadurch nur eine breit verteilte Oberflächlichkeit.
Alle Übenden befinden sich verantwortlich in einer Linie mit dem Gründer des Stils. Regelwerk versucht festzuschreiben, es hilft aber nicht bei unserer Kunst. Jeder einzelne Iaidoka ist individuell und persönlich in Annahme und Erbe der überlieferten Kata an der Weitergabe der Übungen beteiligt. Er sollte seine eigene Bewegung und Vorstellung einbringen. Nur so kann die Kampfkunst lebendig erhalten werden. Sie erneuert sich damit von innen heraus.

