IaidoBlog

Eat, sleep, go Iaido

Nicht jeder hat die Möglichkeit, vielleicht wie in Japan ge­spon­sored durch eine große Firma, oder bei der Polizei vollzeitig Iaidotraining zu genießen. Auch gibt es in Deutsch­land sicher keinen, der ein eigenes professionelles Dojo dieser Art führt. Wie kann man im modernen Leben bei normaler Erwerbs­arbeit dennoch ernsthaft und nach­haltig Iaido üben?

Ernsthaftigkeit und Erfolg

Wesentlich für Übungserfolg ist die Nach­hal­tig­keit des Iaido-Übens. Wann haben wir Übungserfolg? Das betrifft die Frage nach dem Anspruch an das Iaido selbst. Es gibt äußerliche und innerliche Faktoren, die aufzeigen (sollten), wie erfolgreich das Iai ist.

Lernfortschritt und Katalernen

Iaidoüben kann vom Lernfortschritt abhängig gemacht werden. Ganz einfach lässt sich das ablesen an der Menge an Katas, die man erlernt hat. Jeder länger Übende wird allerdings berichten, dass man sich von der relativen Kürze der verschiedenen Kata nicht täuschen lassen sollte. Das Lernen mit dem Schwert erweist sich nach kurzer Zeit als filigranes Gebiet. Manch einer ist so ab­ge­schreckt, dass er für lange Zeit keine weiteren Kata als die des Seitei-Iai erlernen mag. Ko-Ryu-Formen (traditionelle Schule), etwa in den verschiedenen Stufen der Muso Shinden Ryu, bieten allerdings breites Betätigungsfeld, auch für Iaidoka, die noch nicht so lange üben. Nur muss man fragen, ob es sinnvoll ist, gleich mit Muso Shinden Ryu zu beginnen, parallel zum Erlernen der Seitei-Iai oder erst, nachdem Seitei-Iai per­fek­tioniert ist?

Äußere Faktoren des Erfolgs

Mit dem Erlernen von Kata ergibt sich ein deutlicher Anzeiger von Wissenszuwachs. Dieser kann reproduziert, abgefragt und bewertet werden. Mit Prüfungen kann dieser äussere Faktor dokumentiert werden. Weiterhin bietet sich der Vergleich untereinander an. Offiziell sind Taikais (Wettkämpfe) auf verschiedensten Ebenen offiziellen Iais weit verbreitet. Äussere Vergleiche des »besser, schneller, härter usw.« schieben Iai in Richtung sportlicher Betätigung mit möglicherweise negativen Folgen. Ich will damit nicht Wettkampf als Übungsbereich angreifen. Es ist ein anderer Bereich des Iai, der sich auch entwickelt. Die Eingangsfrage war die Ernsthaftigkeit des Iaiübens und die Nachhaltigkeit, die man erlangen kann.

Innere Faktoren des Iaiübens

Innere Faktoren werden in dem Zusammenspiel von Person und Iaiüben deutlich. Ich finde diese entscheidend in der Frage von Nachhaltigkeit und Dauerhaftigkeit, wenn nicht der Kern des Iaiübens selbst. Beispiel: eine muskuläre Verletzung kann aufzeigen, dass die Harmonie von Schwerttechnik und körperlichen Bedingungen gestört ist. 1000faches Hayasuburi (schnelles fortlaufendes Schneiden) bringen unter sportlich-technischem Aspekt eine Menge, können aber durch Disharmonie mit den Gegebenheiten negatives erreichen. Faulheit wäre allerdings die Kehrseite. Innere Faktoren bemessen sich an Harmonie. Sie sind individuell, aber dennoch sichtbar für den Verstehenden. Beispiel: Ki-Ken Tai-Ichi, das Zusammenspiel von Köper, Geist und Schwert­be­wegung ist schwierig zu erreichen, kann aber immer wieder geübt werden und entsteht nur aufgrund von Harmonie.

Üben als persönlicher Prozess

Harmonie des Iai lässt sich nicht durch isoliertes Betreiben spezieller Aspekte erreichen. Bei­spie­le: mehr Muskelkraft schützt vor Verletzung, macht aber übermäßige Ansätze und führt zu Disharmonien in der Bewegung, kann steifes Bewegungsbild erzeugen. Mehr Wille kann Verbohrtheit hervorbringen–, zuwenig Wille Laxheit. Viele Erfolge im Äusseren (Prüfung, Titel) vernachlässigen das innere Wachstum. Wollen wir Iai nachhaltig und dauerhaft anlegen (»Eat, Sleep, go Iaido«), dann sollte man versuchen, ganzheitlich ein gutes Gesamtüben erreichen. Nicht zuwenig und nicht zuviel. Die Bewertung hängt von der Person, ihren Zielen und der Zeit ab.

Fazit

Iaiüben kann intensiv betrieben werden. Echter Erfolg ist durch Nachhaltigkeit geprägt. Nach­haltig­keit wiederum ist abhängig von der Art des Übens.

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