Furikaburi - IaidoBlog

Furikaburi

Hat ein Schwert Ecken?

Das Schwert muss oftmals extreme Lagewechsel vollziehen. Damit die Klinge gemäß Ihrer Kurven­form geführt wird, sind eckige Bewegungen unpassend. Der Klingen­rundung sollte ein runder Be­we­gungs­ablauf ent­sprechen (paradox: bewege einen starren Gegenstand weich). Wir müssen eine Verbindung von Körper und Schwert finden und uns auf die sich ergebende Komplikation einlassen. Ohne Einheit von Körper und Schwert wird das Schwert zum Gegenstand. Wir verlassen damit den Do, da hier Tricks und Kniffe angewendet würden.

Furikaburi bei Mae

Betrachten wir zum Beispiel die Kata Mae im Seitei Iai. Es wird darauf hingewiesen, dass das Schwert nach dem Nukitsuke (erste Aktion, Schwertziehen) in einer rund ausholenden Bewegung nach hinten oben ausgeholt wird. Das Schwert sollte eine horizontale Linie nicht unterschreiten, also immer steigen. Nach ZNKR-Iai gilt die Vorschrift: das Kissaki (Klingenspitze) wird nach hinten stechend am linken Ohr vorbeigeführt. Diese Anweisung ist verständlich für Anfänger, führt aber zu unsinnigem Bewegungsablauf (in Wirklichkeit wird das Schwert mehr auf direktem Weg nach oben gehoben).

Ausholen und Schnitt

Solcherart Anweisung dienen dazu, Anfängern ein Gefühl für den ansonsten unbewußt ausgeführten Teil der Schwertführung zu vermitteln. Oft wird übersehen, dass ein guter Schnitt nicht nur Tenouchi (Eindrehen der Hände) benötigt, sondern auch gutes Ausholen. Wir schneiden möglichst mit Gefühl für Monouchi, dem vorderen Drittel des Schwertes. Genau diesen Teil sollte man auch spüren, wenn man ausholt. Damit muss man von winkeliger Schwertführung abkommen, wie es z.B. für Furikaburi von Mae angedacht ist. Im dem Extrem mit Stich nach hinten ist es zu winkelig, im anderen Extrem mit direkten Heben von Nukitsuke zur Position über den Kopf ebenso.

Ein Schwert ist kein Stock

Die Bewegungslinie mit geradem Stock erlaubt abrupte Knicke in Bewegung, die eines japa­ni­schen Schwertes nicht. So entsprechen richtige Bewegungen eher gedachten Kurven. Man stelle sich eine Parabelform vor. Diese Form veranschaulicht es zweidimensional: zumeist langsam ansteigend, dann immer steiler — gut zu studieren beim Ausholen zum Chiburi – aber das ist ein anderes Thema.

Schwertbewegung ist nicht alles

Wir können die Bewegungslinie des Furikaburi ideal vordenken und mit dem Schwert in der Hand in der Luft »nachzeichnen«. Damit riskiert man auf Dauer eine Entzündung (Epicondylitis) der Sehnenansätze. Diese »Tennisarm« genannte Problematik zeigt einem Iaidoka auf, dass sein Kraftansatz übermäßig aus dem Arm kommt. Furikaburi sollte aus geschmeidiger Beteiligung des ganzen Körpers geschehen. Die Bewegung wird dadurch ganz leicht. Prüfe:

  • greift die linke Hand direkt am Ende von Furikaburi zum Schwertgriff?
  • fühlt sich das Schwert leicht an (andererseits darf das Schwert nicht »herumschleudern«)?
  • ist die Bewegung flüssig; gibt es Stillstand oder Unterbrechnungen?
  • bewegt man das Knie unten zusammen mit dem Schwert oben?
  • fortgeschritten: startet die Bewegung von unten?
  • wird Furikaburi durch weiche Bewegung des ganzen Körpers bestimmt?

Geschwindigkeit

Furikaburi sollte schnell ausgeführt werden, damit man keine Zeit verliert. Führt man z.B: bei der Kata Mae jeden Bewegungsabschnitt: Nukitsuke—Furikaburi—Kiritsuke im 1er Rhythmus aus, dauert alles zu lange. Furikaburi ist nur halb so lang wie die beiden anderen Bewegungen anzusetzen! Das geht mit Abstimmung und Perfektion des Bewegungsablaufs, sonst steuert man auf oben beschriebene Komplikationen zu. Furikaburi sollte als leichte Bewegung empfunden werden. Nukitsuke, Kiritsuke sind hingegen »volle« Bewegungen. Das sollte man so fühlen und auch trennen.

Fazit

Furikaburi als Verbindungsbewegung ist genau zu studieren und zwar nicht nur lokal. Ein Schnitt wird besser durch gutes Furikaburi. Ein gutes Furikaburi muss sich in den gesamten Bewegungsablauf harmonisch einfügen.

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