Dojo

Einfach beginnen

Lernen durch Bewegung

Ein einfaches Holzschwert, eine Bewegungsidee, ein Ablauf, eine Kata. Wie kommt es, dass die Beine anders stehen als diese es sollten? Zum Beispiel: links­herum mit Holzschwert umdrehen und das bei gleich­zei­ti­ger Aushol- und gleich folgender Schnitt­bewegung. Was sich einfach anhört, kann schon in den ersten Stunden Iaido an­­spruchs­­voll werden. Aber: »Anfängergeist ist Zen­geist!«. Die perfekte Technik wird nicht angestrebt. Besser ist das richtige Lernen, um sich individuell auf Grundlage seiner Fähigkeiten zu verbessern.

… für alle

Gelernt werden zunächst — das ist wie immer der Beginn des Iaiübens — ganz einfache Bewegungen und Regeln. Wie halte ich das Schwert am besten? Was macht einen kontrollierten Schnitt aus (richtige Schnitt­bewegung schaffen, ohne eine Furche im Hallen­­boden zu hinter­lassen)? Darf ich mich in Pausen auf dem Schwert abstützen (Antwort: eher nicht)? Wieviel Bauchmuskeln kann ich allein beim Warm-Up ansprechen?

Weitere Anforderungen stellen flüssige Bewe­gun­gen bei gleich­­zei­tiger Aktion, Drehen und Ziehen des Schwerts aus dem Sitzen.

Keinen Technikeinheiten (»Suburi«) und grund­legenden Kata (»Kihon«) geben den Übenden einen Einblick in das weite Feld der Ausbildung durch Iaido.

Iaido übt gleichzeitiges Ziehen und Treffen mit dem Schwert in einer Aktion.

Typisch ist eine Bewegungsfolge besonderer Schnitte, eines Stoßes oder Abwehr aus stehen­der wie sitzender Position. Dann folgt ein ab­schließender Schnitt oder Stich. Der Kampfbereich wird gesichert. Das Schwert wird gesäubert und in die Schwert­scheide zurückgeführt. Alles geschieht mit Übersicht und in innerer Ruhe.

Dieser Ablauf nennt sich »Kata«. Die zu erlernenden Kata sind sehr vielfältig und zahlreich. Wir üben hauptsächlich Muso Shinden Ryu Iai. Es stehen hier dutzende verschiedene Einzel­kata zur Verfügung. Sie enthalten, teilweise verdeckt, viele Schwerttechniken, Ideen und Abläufe eines Schwertkampfes. Die Kata ist endlich das Ergebnis des individuellen Übens, nicht vorgeschriebener Form. Katas sind Ideen, Methoden, Übungszonen, Prüf­steine. Eine Kata führt zu reflektiven Lernen.

Training und Ertrag

Ein Großteil des Iaido-Trainings findet in Eigenübung statt, also ohne Partner. Deswegen trägt man auch keine Rüstung wie beim Kendo-Wettkampf. Es wird nur passende Kleidung und ein Schwert benötigt. Ein Iaidoka erlernt Balance, Kraft, Genauigkeit. Die Perfektion der Form entwickelt er selbstständig und damit eigen­ver­ant­wortlich. Hilfe und Ansporn kommt durch die Korrektur eines erfahrenen Lehrers.
   Tieferes Verstehen einer Kata und Empfinden für richtige Bewegung mit dem Schwert stellt sich mit Erfahrung ein. Erfahrung ist Lernen und Wissen durch eigenes Tun. Mit fort­schreitender Übungslänge (und Intensität) wird man immer besser. Das steht im krassem Gegensatz zu einfach kraftorientierten Sportarten. Kraft baut im Alter ab. Iai (-Fertigkeit) nimmt immer mehr zu.

Inneres Iai

Kata TsukaateIaido kann nicht als Sport bezeichnet werden, auch wenn man ins Schwitzen kommt. Iaido schult zugleich Körper, Geist und Einstellung eines (langjährig) Übenden. Die körperliche Ent­wick­lung ist die Grundlage-, die geistige die Notwendigkeit unseres Übens. Gute Kampfkunst ist ganzheitlich und bleibt nicht auf der Oberfläche.
   Wir üben somit inneres Iai. Uns interessiert nicht der bestimmte Schwertwinkel beim Schnitt, sondern die effi­ziente Schwertführung. »Blitzschnelles Ziehen« ist nicht genug, sondern »rechtzeitiges Ziehen und Schnei­den«. Die stetige Ausbildung, die Entwicklung der eigenen Person ist Maßstab des Erfolgs. Gradu­ie­rungen*) und Urkunden als schmückende Zeichen einer Anerkennung sind in diesem Zusammenhang wertlos.

*)  Zitat eines Meisters: »besser Spiegel an der Wand als viele Urkunden«.

Tradition

Iaido ist eine traditionell ausgerichtete Kampfkunst. Sie wird seit Jahrhunderten im Sinne von Shuhari von Lehrer zu Schüler mündlich weitergegeben. Es liegt in der Verantwortung eines Iaidokas, alle Techniken genau richtig zu lernen und gewissenhaft auszuführen. Simple Wiederholung aus Tradition heraus führt zur Folklore. Aufge­blähter Mythos, Kitsch, Personenkult begleiten diese Erscheinungs­formen, bringen beim Üben wenig nachhaltige Authentizität. Es entsteht am Ende breit verteilte Ober­fläch­lichkeit.
   Alle Übenden befinden sich verantwortlich in einer Linie mit dem Gründer des Stils. Regel­werk und Organisation versucht festzuschreiben, es hilft aber nicht bei unserer Kunst. Jeder einzelne Iaidoka ist individuell und persönlich in Annahme und Erbe der überlieferten Kata an der Weitergabe der Übungen beteiligt. Er sollte seine eigene Bewegung und Vorstellung einbringen. Nur so kann die Kampfkunst lebendig erhalten werden. Sie erneuert sich damit von innen heraus.