Viel Erfolg im Jahr des Pferdes

2026: das Jahr des Feuerpferds

Liebe Iaidokas, jedes Jahr lohnt ein Blick in den chinesischen Kalender. 2026 gehört dem Feuerpferd (丙午, auf Japanisch: Hinoe-Uma). Das Pferd ist die siebte Station im Zodiak, das Feuer sein himmlisches Begleitelement, und zusammen gelten sie als die unruhigste Kombination des gesamten 60-jährigen Zyklus. In Japan gingen die Geburtenraten in Feuerpferdejahren spürbar zurück, denn Feuerpferdejahrgänger galten als zu unberechenbar für ein bürgerliches Leben.

Uma: Bewegung als Zustand

Das Pferd (馬, Uma) steht nicht für zielgerichtetes Vorankommen. Es steht für den Impuls selbst, für Bewegung als Zustand und nicht als Mittel. Ein galoppierendes Pferd fragt nicht, wo es ankommt, es interessiert das Wie der Bewegung.
Das kann auf das Training übertragen werden. Wer Ri-ai (理合) versteht, die innere Logik der Technik, erkennt: Eine Kata, die nur äußerlich korrekt abläuft, bleibt leer. Ri-ai fragt nicht nur, wie das Schwert geführt wird, sondern weshalb genau so und nicht anders. Jemand, der sich daraufhin eine Kata anschaut, merkt sofort den Unterschied. Das ist weniger Philosophie als Handwerk. Und eine Form, die diese Frage wirklich beantwortet, braucht keinen Beweis nach außen.

Das Feuer als Antrieb

Das Element Feuer (火, Ka) steht im japanischen Weltbild nicht für Zerstörung, sondern für Klärung. In den Gogyō, den fünf Elementen, bezeichnet Ka Entschlossenheit und innere Wärme. Ein ungebändigtes Feuer zerstört, eines, das ruhig brennt, kann genutzt werden.
Für das Training heißt das z.B.: Nukitsuke (erste Bewegung) mit Absicht und leicht auszuführen, nicht mit Anstrengung. Zanshin nicht als Pose demonstrieren, sondern als fortdauerndes Ki begreifen, das nach dem Schnitt noch präsent bleibt. Das macht den Unterschied zwischen einer gelebten und einer abgespulten Kata aus.

Näheres zu Ri-ai | Gogyo | Zanshin | Nukitsuke | Ki
理合 Ri-ai, wörtlich: Prinzip (理, Ri) und Übereinstimmung (合, Ai). Ri-ai bezeichnet die innere Logik einer Technik, also die Frage, warum eine Bewegung genau so ausgeführt wird und nicht anders. Im Iaido meint das die kampftechnische Begründung jeder Phase einer Kata: Winkel, Distanz, Timing. Eine Kata ohne Ri-ai ist korrekte Form ohne Inhalt, quasi einem folkloristischem Tanz gleichzusetzen.
五行 Gogyō, die fünf Wandlungsphasen der chinesischen und japanischen Naturphilosophie: Holz (木, Moku), Feuer (火, Ka), Erde (土, Do), Metall (金, Kin), Wasser (水, Sui). Sie beschreiben keine statischen Substanzen, sondern dynamische Zustände und ihre Übergänge. Im Budo dienen sie als Denkrahmen für Bewegungsqualitäten und Energiezustände.
残心 Zanshin, Wörtlich: verbleibender Geist (残, Zan: verbleibend / 心, Shin: Herz, Geist). Zanshin bezeichnet die fortdauernde Aufmerksamkeit nach Abschluss einer Kata. Im Iaido ist es jener Moment nach dem Schnitt, in dem Körper, Blick und Bewusstsein vollständig präsent bleiben.
抜き付け Nukitsuke, die erste Bewegung im Iaido: das Ziehen des Schwertes aus der Scheide (Saya) verbunden mit einem simultanen Schnitt. Nukitsuke ist keine Vorbereitung auf die eigentliche Technik, es ist die Technik. Geschwindigkeit, Winkel und Absicht sind von Beginn an präsent.
気 Ki ist Lebensenergie, Atemkraft, innere Energie. Ki durchzieht die gesamte ostasiatische Philosophie und Medizin. Im Budo bezeichnet Ki jene Qualität einer Bewegung, die über das Mechanische hinausgeht: die Absicht, die Präsenz, die Energie, die eine Technik lebendig macht. Ki lässt sich nicht erzwingen, aber trainieren.

Ausblick ins Jahr hinein—weiter gehts

Der Zen-Mönch und Philosoph Dōgen (1200 bis 1253), Gründer der Sōtō-Schule und Verfasser des Shōbōgenzō, formulierte ein Prinzip, das bis heute im Budo gültig bleibt: 修証一等 (Shushō-ittō), Übung und Erleuchtung sind eins. Nicht Vorstufe und Ziel, sondern dasselbe.
Für das Iaido bedeutet das: Die Kata ist nicht der Weg zu etwas. Sie ist das Ziel. Kata um Kata, Wiederholung um Wiederholung, im Dojo, im Jahr des Feuerpferdes (wie in jedem anderen) mit intensiver Kraft.
Ein gutes Trainingsjahr 2026,
die Dojoleitung.

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