2026: das Jahr des Feuerpferds
Liebe Iaidokas, jedes Jahr lohnt ein Blick in den chinesischen Kalender. 2026 gehört dem Feuerpferd (丙午, auf Japanisch: Hinoe-Uma). Das Pferd ist die siebte Station im Zodiak, das Feuer sein himmlisches Begleitelement, und zusammen gelten sie als die unruhigste Kombination des gesamten 60-jährigen Zyklus. In Japan gingen die Geburtenraten in Feuerpferdejahren spürbar zurück, denn Feuerpferdejahrgänger galten als zu unberechenbar für ein bürgerliches Leben.
Uma: Bewegung als Zustand
Das Pferd (馬, Uma) steht nicht für zielgerichtetes Vorankommen. Es steht für den Impuls selbst, für Bewegung als Zustand und nicht als Mittel. Ein galoppierendes Pferd fragt nicht, wo es ankommt, es interessiert das Wie der Bewegung.
Das kann auf das Training übertragen werden. Wer Ri-ai (理合) versteht, die innere Logik der Technik, erkennt: Eine Kata, die nur äußerlich korrekt abläuft, bleibt leer. Ri-ai fragt nicht nur, wie das Schwert geführt wird, sondern weshalb genau so und nicht anders. Jemand, der sich daraufhin eine Kata anschaut, merkt sofort den Unterschied. Das ist weniger Philosophie als Handwerk. Und eine Form, die diese Frage wirklich beantwortet, braucht keinen Beweis nach außen.
Das Feuer als Antrieb
Das Element Feuer (火, Ka) steht im japanischen Weltbild nicht für Zerstörung, sondern für Klärung. In den Gogyō, den fünf Elementen, bezeichnet Ka Entschlossenheit und innere Wärme. Ein ungebändigtes Feuer zerstört, eines, das ruhig brennt, kann genutzt werden.
Für das Training heißt das z.B.: Nukitsuke (erste Bewegung) mit Absicht und leicht auszuführen, nicht mit Anstrengung. Zanshin nicht als Pose demonstrieren, sondern als fortdauerndes Ki begreifen, das nach dem Schnitt noch präsent bleibt. Das macht den Unterschied zwischen einer gelebten und einer abgespulten Kata aus.
Ausblick ins Jahr hinein—weiter gehts
Der Zen-Mönch und Philosoph Dōgen (1200 bis 1253), Gründer der Sōtō-Schule und Verfasser des Shōbōgenzō, formulierte ein Prinzip, das bis heute im Budo gültig bleibt: 修証一等 (Shushō-ittō), Übung und Erleuchtung sind eins. Nicht Vorstufe und Ziel, sondern dasselbe.
Für das Iaido bedeutet das: Die Kata ist nicht der Weg zu etwas. Sie ist das Ziel. Kata um Kata, Wiederholung um Wiederholung, im Dojo, im Jahr des Feuerpferdes (wie in jedem anderen) mit intensiver Kraft.
Ein gutes Trainingsjahr 2026,
die Dojoleitung.
