Saya no uchi

Dem hervorragenden Artikel über Sayanouchi von Saneterao kann man wenig hinzufügen, aber ich versuche ein paar Ergänzungen. Ein in der Schwert­kunst hohes Ziel ist: Saya no uchi de katsu, Sieg, ohne das Schwert zu ziehen. Hört sich auf den ersten Blick paradox an. Wir besitzen und üben mit einer tödlichen Waffe, um möglichst deutlich einen Konflikt zu gewinnen. Je länger man übt, werden einem beim Iaido aller­dings gewisse Einblicke gewahr.

Das Geheimnis von Saya no Uchi

  1. Der Erfolg des Iaido-Übens hängt von Dir selbst ab. Fehler sind nicht vom Boden, dem Wetter, dem falschen Schwert (na gut, ein wenig) abhängig, sondern durch dich entstanden. Frage wäre natürlich, was sind denn eigentlich Fehler? Gehe zunächst von deinem Sensei aus, er findet sie bestimmt und spiegelt sie wieder–, später von deinem Sach­verstand. Glaub es mir, es findet sich immer etwas!
  2. Fleißiges Üben aller relevanter Faktoren erhöht die Chance auf Ver­besserung deiner Abläufe und damit den Ausblick auf einen möglichen Sieg. Stehen diese Faktoren (z.B. körperliche Kraft, technisches Geschick, Balance, Koordination, Geistes­schulung, Erfahrung durch unablässiges Üben usw.) nicht in Harmonie, kommt es zu Brüchen.
  3. Findet sich Harmonie, stellt sich eine Ver­bindung deines Übens mit der Umwelt ein. Zanshin-Schulung offenbart: Konflikte (im Alltag) und Kämpfe belegen im großen Anteil ebenfalls dein Unvermögen, nicht immer, aber doch.
  4. Ein weiteres Bemühen offenbart den Wunsch, keine Konflikte mehr durchstehen zu müssen = kämpfen, sondern diese im Vorfeld zu vermeiden. Kein Kampf, kein Sieg, aber auch kein Verlust, das ist die überraschende Formel des Erfolgs.
  5. Saya no uchi ist nicht unbedingt das Resultat eines grimmigen Blicks oder permanenter schlechter Laune, die das Umfeld spüren ließe, sich besser nicht mit einem Schwert­kämpfer anzulegen. Es gibt immer ignorante Menschen, denen auch das egal ist, und sie halten jede Gelegenheit als die ihre. Es ist das Geschick, die Situation zu verstehen, zu beherrschen und zu einem gutem Ende zu führen, ohne das Schwert gezogen zu haben, auch im übertragenen Sinne (ohne ein Schwert im Gürtel zu führen). Das führt zum Konzept des ›Leben schenkenden Schwertes‹ (Katsu Jin Ken) im Gegensatz zum ›Leben vernichtenden Schwerts‹ (Satsu Jin Ken).
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