Schnelligkeit der Technik

Schnelles Ziehen des Schwerts

Es gibt die irrige Annahme, dass Iaido möglichst schnelles Ziehen des Schwertes übt. Das Katana soll eingesetzt werden. Wenn es in der Scheide (Saya) steckt, kann es wenig ausrichten, außer mit puren Verhandensein beeindrucken. Einige Techniken werden in Iaidokata (vergl. Ganmenate, Sotezuki, Shihogiri) geübt, wo man mit Hilfe des Griffs einen Vorkampf gestalten kann, insbesondere, wenn ein Gegner das Schwert entwinden möchte. Nun zurück zum Einsatz der Schwertklinge. Diese schnell aus dem Saya zu bekommen, ist ein wichtiger technischer Aspekt von Iaidoüben. Allerdings 1.000 mal falsch auf Geschwindigkeit geübt nähert man sich einer optimalen Bewegung nur langsam.

Zusammenspiel der Hände

Schnelles Ziehen des Katanas (Nukitsuke) befreit die Klinge. Das gelingt insbesondere mit guter Technik der linken Hand. Die rechte Hand fasst den Griff, die linke Hand beschäftigt sich mit dem Abziehen des Sayas (Sayabiki). Ideal ist harmonisch koordinierte Bewegung, sodass beim Schwertziehen die Kräfte ausgeglichen sind. Ungleich­gewicht verzögert und macht langsam. Ist die Bewegung der linken Hand klar und richtig gesteuert, passend zum Schnittwinkel, wird die Bewegung des Schwerte freier. Gedanken sollte man auch im Zusammenspiel mit der körperlichen Situation machen. Man sollte verstehen, dass die Hände nur Kraftüberträger sind. Kräfte werden beim Nukitsuke über den Rücken gesteuert.

Klinge blankziehen ist nur der zweite Schritt

Hektisches schnellstes Herausreißen der Klinge für den Kampf ist nur ein Sportgedanke. Rechtzeitiges Vorbereiten für den Einsatz ist cleverer. Bestehende ständige Aufmerk­samkeit (Zanshin) ermöglicht Antizipieren und Verständnis der Lage. Weiche ich in Aktion aus, verbessert sich die Situation und ich habe mehr Zeit. Gehe ich beim Ziehen in den Gegner hinein (die Spezialität von Iaido), ver­schlech­tert sich die Situation für den Gegner, der gleichzeitig meinen Gegen­angriff mit Annährung bewältigen muss. Die Geschwin­dig­keit steigt relativ zur Position des Angreifers! Ein Angreifer hat also gleich drei Probleme ausgelöst: der Iaidoka ist vorbereitet und weicht ggfl. aus, er greift gleichfalls mit Technik an und kommt auf ihn zu.

Kraft versus Technik

In den geübten Abläufen eines Kampfgeschehens (Kata) kann Schnelligkeit probiert werden. Bald kommt man darauf, dass gute Technik beim Ziehen nicht alles ist. Gute Bewegung, kräftiger Köper sind hilfreich und stellen ein Grundgerüst dar. Westliche Einstellung ist: Kraft begünstigt Geschwindigkeit. Diesen Irrtum kann man beim Kataüben korrigieren. Es wird deutlich: zuviel Kraft macht hart und unbeweglich. Unsere Kraft ist die Klingen­schneide. Also kommt es auf Beweglichkeit an (teste mit Ukenagashi Okuden), um schnell Wirkung (Schneiden) zu erzielen. Regelmäßiges Dehnen hilft, Faszien­training, usw. Die Gelenke müssen frei spielen und nicht durch Kraft blockiert sein.

Das Timing

Unsere Aktion sollte immer mit dem gegnerischen Angriff im richtigen Timing erfolgen. Zu schnell nützt nichts, weil man nicht trifft, das Gegenteil bewirkt, dass man selbst getroffen wird. Wenn der Gegner seine Richtung nicht mehr ändern kann oder in dem Moment, wo der Angriff beginnt sind gute Zeitpunkte für eine eigene Aktion. Wenn erfahrene Iaidoka Kata machen, wirkt es in Ruhe und nicht schnell. Damit zeigen sie, dass sie mit der Umgebung im Einklang oder passend zur Situation arbeiten.

Fazit

Blitzschnelles Ziehen des Schwertes ist nicht genug. Auch beste Technik und Kraft sind nur begleitende Aspekte. Aufmerksamkeit, Lagebild, Koordination, Geschmeidigkeit über körperliche Harmonie mit dem Schwert zählen. Viel Üben hilft auch.

One more thing

Ich habe bei YouTube einen kleinen Film aufgestöbert. Hier wird Iaijutsu »auf Geschwindigkeit« geübt. Alles beeindruckend. Ab Minute 6:20 passiert es: jemand zieht und ist ›früher fertig‹. Seine Partnerin (links) signalisiert, ›noch nicht bereit zu sein‹. Dabei irrt sie. Ihr Gegenüber hat alles richtig gemacht, ohne große Geschwindigkeit. Hier kommt der Moment.

Scroll to Top